Belgrad als Trendziel in Europa?

Warum eigentlich nicht? Abseits der Touristenpfade war uns jedenfalls nicht viel über die Stadt an der Donau bekannt. Von Deutschland dauert ein Flug in die serbische Hauptstadt 90 bis 120 Minuten. Vom Flughafen in die Innenstadt ist es eigentlich sehr einfach. Für 150 RSD fährt die Buslinie 72 in 40 Minuten direkt ins Zentrum von Belgrad. Endhaltestelle ist Zeleni Venau Square. Von dort hat man Anschluss an das Bus- und Straßenbahnnetz in die ganze Stadt.

Da wir erst gegen Mitternacht angekommen sind und keine Busse mehr fuhren, mussten wir uns gegen alle Gewohnheiten ein Taxi nehmen. Da die Taxipreise aber vorgegeben sind, ist die Gefahr zu viel zu bezahlen sehr gering. Unser Fahrer hat auch gleich seinen Taximeter eingeschaltet und der Preis hat mit unseren Recherchen übereingestimmt (1.800 RSD).

 

Zu den Dingen, die man in Belgrad gesehen haben muss gehört die Festung Kalemegdan. Die Festung war früher eine militärische Anlage und ist jetzt Teil des „Central Parks Belgrad“. Von hier hat man eine wunderbare Aussicht auf Sawe, Donau und etwas weniger aufregend die Neustadt von Belgrad. Insbesondere in den Abendstunden zum Sonnenuntergang zieht es die Belgrader hierher. Neben der Festung gibt es noch mehrere Cafes, das Militärmuseum und das Observatorium zu besichtigen. 

 

Die Kathedrale Saint Sava ist so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt. Die größte orthodoxe Kirche ist seit 1935 in Bau. Der Innenausbau ist noch in vollem Gange, dennoch kann man die Kirche als Besucher betreten. Der Platz um die Kirche ist auch ein Treffpunkt für die Belgrader. In den Abendstunden trifft man sich hier gerne zum Schwatz und die Kinder spielen auf dem Vorplatz.

 

Skadarlija ist das Bohème Viertel der Stadt. Die Straße mit Pflastersteinen und Häusern aus dem 19 Jahrhundert war Anziehungspunkt für Maler und Dichter. Gerne nennt man den Bezirk auch das Belgrader Montmatre. Der Park Tasmajdan war früher einmal ein Steinbruch und Friedhof. Während des zweiten Weltkriegs wurden Bunker angelegt, die auch heute noch existieren, aber der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Der Park lädt zum joggen, spazieren oder einfach auch nur, bei einem Blick auf die Markuskirche, zum faulenzen ein.

 

Ein Geheimtipp soll das Design District sein. Versteckt hinter Häusern haben sich insbesondere Modeschöpfer in den Läden des ehemaligen Einkaufszentrums Cumicevo niedergelassen. Der Ort wirkt jedoch eher billig und heruntergekommen.

 

Der frühere Industriebezirk Savamala ist eher ein Gegenteil. Ein Hotspot für Kreative und Nachtschwärmer. Mit dem Bau der neuen Belgrad Waterfront bleibt zu erwarten, wie sich das Ufer an der Save entlang ändern wird.

 

Naherholungsgebiete für die Belgrader sind Lake Ada Ciganlija und Great War Island. Die Insel kann man mit dem Boot erreichen, im nördlichen Teil gibt es den Lido Strand, an dem man in der Donau schwimmen kann, der Rest der Insel ist von Wald bewachsen und das Ziel von Vögel-Beobachtern oder Picknickern. Lake Ada Ciganlija ist ein künstlich angelegter See in Belgrad. Der See hat einen 8km langen Kiesstrand und neben grillen (ist dort erlaubt), kann man dort so ziemlich jede Wassersportart machen. Im Sommer kann es am See schon ziemlich voll werden. Das Gelände ist aus der Stadt schnell mit dem Fahrrad erreichbar.

 

Wir haben die Zeit genutzt und sind von Belgrad noch nach Novi Sad gefahren, der zweitgrößten Stadt des Landes. Züge fahren recht unregelmäßig, Busse etwa alle 30 Minuten. Also mit dem Bus hingefahren und später mit der Bahn zurück. Von der Burg hat man einen schönen Blick über Donau und Altstadt. Die sogenannte Altstadt wirkt frisch renoviert jedoch eher jung und modern. Auf dem Weg dorthin fährt man durch den Belgrader Vorort Gardoš mit dem Gardoš Hügel. Dieser Stadtteil ist durch schmale Straßen und historischen Gebäude gekennzeichnet. Am höchsten Punkt erstreckt sich der „Millennium Tower“. Von oben hat man einen fantastischen Blick über Belgrad und die Donau.

 

Etwas weiter war die Tour zur Burg Golobac. Hierzu haben wir uns ein Auto gemietet und sind 140 km über Autobahn und staubige Landstraßen. Perfekt über der malerischen Donau gelegen, waren wir jedoch etwas enttäuscht. Die Burgruine wird wieder aufgebaut und ist gesperrt. Auch eine Art Freizeitpark soll hier entstehen. Durch Zufall haben wir einen Weg gefunden, der hinter der Ruine auf den Berg führt. Von dort hat man einen guten Blick in die Anlage von oben.