Phnom Penh

Kambodscha hat uns wieder - und damit auch Phnom Penh. Vor drei Jahren waren wir bereits hier und sind nach nur einer Nacht ans Meer geflüchtet, weil wir die Stadt so schrecklich fanden. Bei unserem zweiten Besuch sollte sich unsere Einstellung jedoch sehr zum Positiven ändern. Wahrscheinlich liegt dies auch an unserer nun 3-monatigen Südostasienerfahrung.

Nach einem acht Stunden Flug von Sydney nach Kuala Lumpur und einem 1,5 stündigen Weiterflug nach Phnom Penh hatte uns Asien also wieder. Nach harten Verhandlungen haben wir uns am Flughafen für 8 US$ ein Tuk Tuk genommen, welches uns in unser vorgebuchtes Hostel bringen sollte. Dort angekommen, mussten wir jedoch feststellen, dass niemand an der Rezeption anwesend war. Nachdem uns ein Gast versichert hatte, dass er auch schon seit langem keinen mehr an der Rezeption gesehen hatte, sind wir nach 90 minütiger Wartezeit weitergezogen, um uns eine neue Unterkunft zu suchen. Zum Glück sind wir ziemlich schnell bei einem Australier fündig geworden. 

Um uns wieder an das asiatische Gewusel zu gewöhnen, sind wir zunächst auf den Zentralmarkt Psar Thmei. Im Vergleich zu anderen asiatischen Großmärkten herrscht hier eine völlig ruhige Atmosphäre. Für Asien sehr ungewöhnlich. Nach dem Zentralmarkt ging es zum Königspalast. Hier sind jedoch nur die Thronhalle, die Silberpagode und einige dazugehörigen Räumlichkeiten zu besichtigen. In den anderen Bereichen wohnt Kambodschas König. Klar dass der keine Touristen in seiner Wohnung haben möchte.

Der Nachtmarkt findet nur freitags bis sonntags statt. Das Angebot ist wie überall das selbe. In der Mitte befindet sich jedoch eine Bühne, auf der lokale Künstler ihr Bestes geben. Hinter der Bühne beginnt der kulinarische Teil des Marktes. In der Mitte der Stände haben die Händler Teppiche ausgelegt, auf denen man in Ruhe die zubereiten Speisen genießen und den Abend ausklingen lassen kann. Für uns war es der gemütlichste Nachtmarkt in ganz Südostasies.

Für alle Besucher Phnom Penhs ist es eigentlich ein Muss sich mit der jüngeren Geschichte des Landes und der Herrschaft der Roten Khmer auseinander zu setzen. Für 13$ haben wir uns mit dem Tuk Tuk zu den sog. Killing Fields von Choeung Ek und dem Tuol-Sleng Museum fahren lassen. Die Killing Fields liegen 20km außerhalb der Stadt und die Fahrt führt über staubige Straßen. Unser Fahrer hat mehrere Abkürzungen genommen und so sind wir dann auch plötzlich mitten durch eine Hochzeitsgesellschaft gefahren. Die Killing Fields selbst sind ein ernüchternder Ort. Heute kann man sich den Schrecken, der hier vor gut 30 Jahren herrschte kaum vorstellen. Zu sehr hat sich in den letzten 20 Jahren die Umgebung geändert und die städtische Bebauung ist bis an diesen Ort, an dem die Erde von Blut getränkt ist, vorgedrungen. Unter den Roten Khmer wurden hier 17.000 Menschen umgebracht und in Massengräbern verscharrt. In der Mitte des Geländes befindet sich eine Stupa, in der fast 9.000 Schädel und Knochen aufgebahrt sind. Die Geschichte dieses Ortes wird eindrucksvoll mit dem Audioguide, den jeder Besucher beim Eingang erhält, dargestellt. Insgesamt hatten die Roten Khmer zwischen 1,4 und 2,2 Millionen Menschen ermordet.

Auf dem Weg zurück kommt man am Tuol-Sleng Museum vorbei. Unter den Roten Khmer diente die ehemalige Schule als Foltergefängnis. Heute is das Gebäude ein Museum und veranschaulicht den Schrecken, der von diesem Ort ausging. Nach dem Besuch beider Orte ist es nicht leicht sich dem heutigen Gewusel von Phnom Penh wieder hinzugeben.