Silvester in Sydney

Das Silvesterfeuerwerk in Sydney live zu erleben war schon lange ein Traum von uns. Über eine Million andere hatten jedoch die gleiche Idee. Um trotzdem einen genialen Platz zu sichern, haben wir uns für einen 13-stündigen Picknickmarathon entschieden. Wobei wir die ehrgeizigen Taiwanesen unterschätzt hatten, die zu 28 Stunden Camping bereit waren. 
‪10:00 Uhr: Es geht los. Mit der Bahn fahren wir in die Stadt. Unseren bevorzugten Platz (Blue Point) haben wir schon im Vorfeld ausgekundschaftet. Als die Bahn über die Harbour Bridge fährt, sehen wir bereits, dass unser auserwählter Platz schon voll zu sein scheint. Also losstürmen! Auf dem Weg von der Bahnstation überholen wir noch jede Menge Gruppen und sehen, dass doch  noch nicht gesperrt ist. ‬

‪11:00 Uhr: Angekommen. Dreist quetschen wir uns noch auf die Wiese. Super Platz! Um uns herum sind fast nur Asiaten. Und fast jeder hat eine Taiwan-Fahne. Und überall stehen Zelte. Eine Vielzahl scheint hier übernachtet zu haben. Erstmal entspannen und die Toilette aufsuchen. Sind ja nur noch sieben Stunden bis zum Vorprogramm und 13 Stunden bis Mitternacht.‬

‪12:00 Uhr: Juhu eine Stunde ist schon geschafft! Die Sonne drückt, da ist Sonnencreme angesagt. Mittlerweile haben die Leute ihre Zelte und Decken auch schon auf dem Asphalt ausgebreitet. Und es werden wohl noch mehr. Neben uns sitzen drei Franzosen. So sind wir nicht die einzigen Nichtasiaten.‬

‪13:00 Uhr: Wir sind schon zwei Stunden hier, das ging ja schnell. Zeitvertreib mit essen und lesen. Es gibt Leberwurschtbrot!  Und es ist verdammt heiß. Die Franzosen neben uns packen auch Essem aus und produzieren jede Menge Müll.‬

‪14:00 Uhr: Die Sonne drückt weiter. Nur noch vier Stunden. Die ersten springen zur Abkühlung in die Bay. Zur Abwechslung kommt ein Polizeiboot vorbei und stimmt La Ola an. Langsam aber sicher habe ich die Hälfte meines Buches geschafft. Ich möchte jetzt aber nur noch stehen, nicht mehr sitzen oder liegen. Der Müllberg der Franzosen wächst.‬

‪15:00 Uhr: Nur noch drei Stunden bis zum Vorprogramm. Habe ich schon gesagt, dass ich jetzt lieber in einer Badewanne mit Eiswürfeln liegen möchte? Ich komme mir vor wie auf einem Festival. Wann tritt endlich die Band auf? Eine Gruppe von sieben Asiaten drückt sich durch die Menge und sucht einen Platz. Wärt ihr halt mal 5 Stunden früher gekommen!‬

‪16:00 Uhr: Nur noch zwei Stunden. Die sieben Asiaten stehen direkt vor mir und suchen immer noch verzweifelt einen Platz. Es macht Spaß die Ameisen von meinem Bein Richtung Asiaten zu katapultieren. Die Franzosen sammeln ihren Müll ein. Muss auf die Toilette, in der Schlange vor mir stehen endlos viele Leute. Der Schatten tut aber gut. Hoffentlich finde ich den Weg wieder zurück. Auf dem Gelände sitzt alles kreuz und quer. Vom Rasen ist kein Grashalm mehr zu sehen. Gibt es hier so etwas wie eine Rettungsgasse?‬

‪17:00 Uhr: Noch eine Stunde! Bis das Vorprogramm beginnt. Sieben Stunden bis Neujahr. Bis zum Beginn des Vorprogramms runterzählen, war bisher so angenehm. Jetzt beginnt der Countdown von vorne. Ich gehe die Wasserflasche auffüllen. Der Höhepunkt der Stunde. Die Sonne verliert langsam ihre Kraft, Zeit langsam wieder das T-Shirt anzuziehen.‬

‪18:00 Uhr: Punkt 18 Uhr donnert ein Flieger über das Hafengebiet. Das Vorprogramm beginnt. Die Airshow erinnert aber eher an eine angeschoßene Spitfire. Polizeihubschrauber fliegen in Formation die Küstenlinie ab. Ob das auch zur Show gehört, lässt sich nicht klären. Wir vertreiben uns die Zeit mit lesen und essen. Jetzt gibt es Brot mit Paprika Salsa Dip.‬

‪19:00 Uhr: Ein Feuerschiff fährt durch das Hafengebiet und bietet eine Show. So langsam wird es kalt und die Decken ziehen Feuchtigkeit. Die Leute vertreiben sich mit La Ola die Zeit. Habe mein Buch zu 2/3 gelesen. Die Asiaten vertreiben sich die Zeit mit Selfies. ‬

‪20:00 Uhr: Air Show Teil 2, nun aber wesentlich interessanter! Wirklich tolle Kunststücke die der Pilot zeigt. Im Anschluß beginnt eine Videoprojektion über "The City of colours" und die Aborigenie an die Brückenpfeiler gestrahlt. Nur noch dreieinhalb Stunden und es wird immer kälter. Nur die Engländerinnen zwei Plätze neben uns tragen noch kurz.‬

‪21:00 Uhr: Noch drei Stunden. Wir sind ja auch erst zehn Stunden da. Die Schlange an den Toiletten nimmt kein Ende. Dafür startet das 21 Uhr Familienfeuerwerk. Wow! Aus drei Richtungen wird geböllert was das Zeug her gibt. Acht Minuten lang. Darauf haben wir gewartet. ‬

‪22:00 Uhr: Es ist dunkel und kalt. Noch zwei Stunden. Langsam müsste man mal auf Toilette. Nach 50 Minuten (!) Wartezeit wäre das auch geschafft.‬

‪23:00 Uhr: Es ist immer noch kalt und am liebsten möchte man jetzt schlafen.‬

23:58.30 Uhr: Die letzten 90 Sekunden werden angezeigt und heruntergezählt.

‪0:00 Uhr: Willkommen 2016!!! Die Knallerei geht los. Das Feuerwerk im Hafen ist spektakulär. Jetzt heißt es einfach genießen.‬

‪0:12 Uhr: Das Feuerwerk ist vorbei. Innerhalb von zehn Sekunden stürmen ‬allein von unserer Wiese 15.000 Leute gleichzeitig zur U-Bahn los.

‪2:00 Uhr: Wieder daheim. Der öffentliche Nahverkehr hat wunderbar funktioniert und wir sind fast reibungslos nach Hause gekommen. Silvesterfeuerwerk am Sydney Harbour war trotz der langen Warterei ein unglaubliches Erlebnis.‬