Mit dem Klotok auf Orang-Utan Safari im Dschungel Borneos

von Viola Backfisch und Philipp Parzer


Die wohl beeindruckendste und gleichzeitig bequemste Art den Dschungel Borneos zu erkunden, ist mit einem Klotok. Wir haben uns spontan dazuentschieden unser Backpacker Budget etwas auszuweiten und ein eigenes Boot mit Kapitän, Koch, Assistent und Guide nur für uns beide für 3 Tage zu buchen. 

Die Wahl viel schnell auf Siti als Guide, da sie in mehreren Blogartikel als sehr erfahrene Powerfrau beschrieben wurde, was auf alle Fälle zutrifft. Es gibt einige Agenturen, die diese Klotok-Touren anbieten und die Preise unterscheiden sich erheblich. Siti hat ihre eigene Agentur seit 3 Jahren und war vorher einige Jahre als Guide bei einer anderen Agentur angestellt. Man benötigt übrigens tatsächlich einen Guide, da man die Organisation der Tour nicht ohne Erfahrung erledigen kann. Denn es muss nicht nur eine Genehmigung von der örtlichen Polizei eingeholt, sondern auch das Boot und die Crew-Mitglieder einzeln angeheuert sowie der Großeinkauf erledigt werden. Letztendlich hatten wir uns für Siti entschieden, da sie Guide und Agentur soz. in einem ist und somit das Geld auch nicht bei einer großen Agentur hängen bleibt. Außerdem hat sie für uns ein volles dreitägiges Programm zusammengestellt, wohingegen die anderen Anbieter bereits den Ankunftstag am Flughafen mit Shuttle als ersten Tag veranschlagt hatten, sodass viel weniger Zeit auf dem Klotok zur Verfügung stand.

Nach einem herzlichen Empfang am Flughafen in Pangklaan Bun wurden wir in das Hotel Mentari in Kumai gefahren. Kumai ist ein verschlafenes Hafenstädtchen und die Einwohner scheinen nur sehr selten Touristen zu sehen, da wir tatsächlich von fast jedem (!) Bewohner angesprochen wurden. Abends kam Siti zu einem temperamentvollen Briefing in unser Hotelzimmer gestürmt und bereitete uns auf die kommenden drei Tage vor.

Unser Klotok war ziemlich groß und so hatten wir das ganze obere Deck mit Bett, Tisch und Liegen für uns und unten wohnte die Crew. Auch die anderen Crew-Mitglieder waren super nett und die Köchin kochte einfach unglaublich leckeres und abwechslungsreiches indonesisches Essen. Die Highlights waren (neben dem Essen) die täglichen Besuche von drei verschiedenen Orang-Utan Fütterungsstationen im Dschungel. Siti lief mit uns aber nie den direkten Weg zur Fütterungsplattform, sondern auf kleinen Pfaden durch den Dschungel und erklärte uns dabei vieles über die Dschungelbewohner und Fauna. Natürlich hatte sie auch die eine oder andere typische Jungle Story auf Lager. So wurde angeblich ein Tourist von einem Kaiman beim Schwimmen getötet und ein Ranger von einer Python gefressen. Mittlerweile stehen auch überall "Schwimmen verboten" Schilder und wir hatten auch einige kleine Kaimane und ein riesiges Salzwasserkrokodil gesehen. 

In den drei Rehabilitierungscamps werden die Orang-Utan Babys, welche vom Schwarzmarkt gerettet wurden, großgezogen und wieder ausgewildert. Denn Orang-Utan Babys bleiben normalerweise sieben Jahre bei ihren Müttern und können vorher nicht eigenständig überleben. Da das erste Camp bereits 1971 gegründet wurde, haben vieler dieser ehemaligen Waisenkinder nun selbst Babys und trotzdem kommen sie teilweise zu den täglichen Fütterungsstationen zurück, wenn sie nicht genügend Essen finden. Mit lauten Schreien locken die Ranger die Orang-Utans an und wir hatten das Glück bei allen Stationen mehrere Orang-Utans zu sehen. Am ersten Morgen wurden wir sogar von einem Orang-Utan neben unserem Boot begrüßt, da es dort anscheinend besonders leckere Früchte gab.

Obwohl Orang-Utans das Highlight des Tanjung Nationalparks sind, hat er noch viel mehr zu bieten. Neben den Kaimanen und dem Krokodil haben wir Nasenaffen, Makaken, Gibbons, Nashornvögel, Eisvögel, Warane, Flughunde und jede Menge schöne Schmetterlinge gesehen. Beim Nachttrekking hatte unser Ranger auch Taranteln und kleine Schlangen hervorgelockt. In der Wiederaufforstungsstation durften wir symbolisch ein Bäumchen einpflanzen und Siti erklärte uns sehr viele Heilpflanzen.

Wir genießen jetzt noch die Rückfahrt auf unserem Klotok und würden den Trip auf alle Fälle weiterempfehlen. Und bei diesem Bootstrip wird man übrigens garantiert nicht seekrank. Für uns geht es dann morgen weiter nach Kuala Lumpur.