Traumziel Bali

von Viola Backfisch und Philipp Parzer

So langsam haben wir uns in die gechillte Atmosphäre der Gilis eingegroovt und beschreiben euch nun vom Strand auf Gili Trawagan unsere Erlebnisse von Bali. Damit ihr besser die chillige Atmosphäre verstehen könnt, stellt euch einen weißen Sandstrand mit Sonnenuntergang bei Trommelsounds mit einem leckeren Fruchtshake vor und ihr wisst wovon wir reden ;-). 

2 Nächte in Kuta

Unser erstes Quartier sollte uns in die Touristenhochburg Kuta führen. Am Flughafen angekommen mussten wir uns gleich mal über die balinesische Abzocke ärgern. Für die 8 km lange Fahrt vom Flughafen bis zum Hostel verlangte man stolze 150.000 Rp (10€). Da wir aber vorher gelesen hatten, dass es eigentlich keine passende Alternative gibt - außer zu Fuß laufen - haben wir natürlich ein Taxi genommen. In der Stadt findet man günstigere Taxis, aber es bringt nichts an die nächste Schnellstraße zu laufen.

Kuta ist für die Australier so etwas wie der Ballermann für die Deutschen. Kleine Gassen mit hunderten von Geschäften, Hotels und Bars lassen auch kaum Unterschiede erkennen. Wir hatten das Glück, dass unsere Unterkunft genau mittendrin in einer ruhigen Seitengasse lag. Die Mimpi Bungalows waren in diesem geschäftigen Treiben eine richtige Ruheoase, denn der idyllische Garten hielt den Straßenlärm fern. Must do in Kuta ist natürlich der Strand. Dieser entschädigt dafür einiges negative an der Stadt. Faul am Strandliegen ist bei diesen herrlichen Wellen kaum möglich. Da zieht es einen einfach, mit oder ohne Surfbrett, ins Wasser. Unser Warung-Verkäufer versucht uns javanesische Lieder beizubringen und gleichzeitig ein paar Sätze auf Deutsch zu lernen, um eine bessere Verhandlungsbasis bei deutschen Touristen zu haben ;-). Von Kuta aus lässt sich auch prima der Süden Balis mit einem Moped erkunden. Da Philipp diesen aber bereits besucht hatte, zieht es uns in den Nordosten der Insel. 

Ashram Gandhi Çanti Dasa

Was uns im Ashram erwarten würde, war uns vor unserer Ankunft dort auch nicht so ganz klar und es kam dann auch anders als gedacht. Der Ashram wurde von eine Frau gegründet, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, die Einheimischen im Sinne von Gandhis Prinzipien zu schulen und in unterschiedlichsten handwerklichen Tätigkeiten auszubilden. Die Kurse (wie Englisch, Kochen, Nähen, Tanzen etc.) wurden für die Einheimischen kostenlos angeboten und im Gegenzug wurde erwartet, dass diese bei täglichen Arbeiten im Ashram (wie Putzen, Kochen, Einkaufen) unterstützen. Zusätzlich gab es einen sehr günstigen Kindergarten und eine Grundschule, um die finanziell benachteiligten Kinder auszubilden. Leider ist die Gründerin vor einigen Jahren gestorben und seitdem hat sich anscheinend auch sehr viel im Ashram verändert. Eine ältere Bewohnerin und auch Stammgäste berichteten begeistert davon, wie toll es früher gewesen wäre. Mittlerweile werden leider nur noch wenige Kurse angeboten und der Ashram finanziert sich nur noch durch die Einnahmen der Gästebungalows. Wahrscheinlich wird sich der Ashram nicht mehr lange so halten können, aber derzeit ist es trotzdem noch ein besonderes Erlebnis.

Alltag im Ashram

Das Alter der Bewohner und Gäste des Ashrams war bundgemischt und das Zusammenleben funktionierte erstaunlich gut. Es gab einen festen Tagesablauf, der mit dem Morgengebet um 5.30 Uhr begann und mit dem Nachtgebet nach Sonnenuntergang endete. Zwischendurch gab es weitere hinduistische Dankgebete, an denen man auch als Gast teilnehmen konnte. Während die Bewohner den Ashram reinigten, einkauften und die Wellenbrecher weiter ausbauten, konnten die Gäste beim Kochen oder im Kindergarten helfen und entspannen. Jeden Nachmittag (und manchmal auch morgens) war eine 1,5 stündige Yoga Session direkt am Meer angesagt. Yoga ist einfach unglaublich entspannend, wenn einem die Meeresbriese um die Nase weht und die Ruhe nur hin und wieder von einer heiligen Kuh unterbrochen wird. 

Vormittags war ich meist im Kindergarten und konnte auch gleich meine "umfassenden" Indonesischkenntnisse anwenden und mit den Kindern lernen die Zahlen von 1 bis 5 an die Tafel zu schreiben. Ansonsten war die Kommunikation nicht so einfach, da die kleinen Kinder noch kein Englisch sprachen und mein Indonesisch natürlich nicht so gut ist. Trotzdem, haben wir zusammen Türmchen gebaut, gebastelt und gegessen. Samstags war  die große Bestandsaufnahme angesagt, bei der ich alle 63 Kinder ausmessen und wiegen durfte. Während deutsche Kinder bei dieser eher langweiligen Aktivität wahrscheinlich ziemlich quengelig geworden wären, hatten sich die kleinen Indonesier richtig darauf gefreut, da es anscheinend zu einem wichtigem Ritual gehörte und jedes Kind von den anderen durch Lieder angefeuert wurde.

Indonesisches Essen im Ashram

Das Essen im Ashram wäre eigentlich einen eigenen Blogartikel wert, aber wenn man noch kein authentisches indonesisches Essen probiert hat, kann man es sich nur schwer vorstellen, wie lecker es war. Im Ashram wurde vegetarisch gekocht (mit Ausnahme von Fisch und Ei) und obwohl es 3 Mal täglich indonesisches Essen gab, war es super abwechslungsreich und unglaublich lecker. Zum Frühstück gab es beispielsweise schwarzen Klebereis mit Kokosmilch und Honig, Ingwer-Linsen-Eintopf, frittierte Bananen oder Pfannkuchen mit Kokosraspelcreme. Mittags gab es im Prinzip immer Reis mit Gemüse, aber es hat trotzdem jedes Mal komplett anders geschmeckt. Indonesisches Essen ist sehr kreativ und so wird beispielsweise auch viel mit Blumen und Gewürzen gekocht, die wir im restlichen Asien noch nie so geschmeckt hatten. Zum Nachtisch gab es immer verschiedene richtig frische Früchte. Das Abendessen ähnelte dem Mittagessen, wobei es nie das Gleiche gab und abends auch eine Suppe gereicht wurde. Zum Essen saßen wir im Ashram auf dem Boden des Gebetspavillions im Kreis und nach einem kurzen gemeinsamen Dankeslied auf Indonesisch wurden die Speisen der Reihe nach im Kreis herumgereicht und jeder konnte sich so viel nehmen wie er wollte - Nachschub gab es auch zu genüge. Beim Kochen können die Gäste übrigens auch sehr gerne unterstützen bzw. kostenlose Kochkurse nehmen.

Obwohl sich der Ashram in den letzten Jahren anscheinend sehr verändert hat, fanden wir es trotzdem sehr beeindruckend und würden es jederzeit weiterempfehlen. Man sollte jedoch sehr aktiv auf die Bewohner zugehen, um so viel wie möglich kennenzulernen. Denn die Bewohner freuen sich sehr über Unterstützung und auch das gezeigte Interesse - auch wenn sie wahrscheinlich nie den ersten Schritt gehen würden. Die Bungalows direkt am Meer waren übrigens sehr schön und für ca. 30€/Nacht für 2 Personen inkl. Vollverpflegung zudem ziemlich günstig. 

Scooter Tour durch Balis Reisfelder

Candidasa eignet sich hervorragend um mit dem Motorroller den Nordosten und das Hochland von Bali zu erkunden. Als ersten Stopp haben wir Tirta Gangga angepeilt. Tirta Gangga ist ein Art balinesisches Neuschwanstein, die Sommerresidenz eines balinesischen Herrschers aus dem 18. Jahrhundert. Besonders beeindruckend ist die Sicht auf den Gunung Agung, zu dessen Füßen sich die Anlage erstreckt. Die weitere Tour sollte uns halb um den heiligen Berg Balis herumführen. Einen kurzen Abstecher haben wir zum Pura Pasar Agung gemacht. Von diesem Tempel kann man den Agung in etwa vier Stunden besteigen. Diese Route gilt als die Schnellste. Auf der Fahrt zum Tempel geht es ständig steil bergauf, so dass man sich sehr gut am Roller festhalten muss. 

Über Selat, Rendang, durch Reisterrasenfelder und kleine Dörfer (ein Mittagssnack am Straßenrand lohnt sich!) ging es weiter zum Kraterrand des Gunung Batur. Hier mussten wir dann zunächst ein negatives Erlebnis machen. Etwas 5km vor dem Kraterand wurden wir von einem Mann in Polizeiuniform angehalten, der meinte, wir hätten nun den Batur Nationalpark betreten und der Eintritt würde 35.000 Rp pro Person betragen. Da auch andere Reisende angehalten wurden und gezahlt haben, haben wir dies auch gemacht. Mittlerweile bin ich allerdings der Meinung, dass dies lediglich eine Abzocke war und wir einfach hätten weiterfahren sollen. Zumindest bekamen wir noch zwei "Eintrittskarten" mit dem Hinweis diese bei der nächsten Kontrolle vorzuzeigen. Wir wurden sogar nochmals angehalten, aber der Satz "We have already tickets" genügte. Vorzeigen mussten wir keine. Eines hat uns dies aber auf jeden Fall gelehrt. Diese "Extra-Ausgaben" müssen wieder hereingewirtschaftet werden und künftig wird überhall hart verhandelt. 

Die Hauptverbindungsstraße nach Singaraja führt direkt über den Kraterrand des Baturs und bietet einen überwältigenden Blick. Innerhalb des Kraters befinden sich der Kratersee, einige Dörfer und der neue Batur. Eine Besteigung ist möglich, aber darauf haben wir verzichtet. Leider gibt es hier auch sehr viele lästige Händler.

Der Rückweg führte uns über die Sidemen Road, nach Padangbai. Die Straße windet sich durch ein schönes Tal vom Hochland hinab und bietet dabei immer wieder tolle Blicke auf den Gunung Agung, leider jetzt in Wolken. Der Hafen von Padangbai ist ein bedeutender Knotenpunkt, um auf die Gilli Inseln zu kommen. Im Hafen wollten wir direkt den Preis für die Übeefahrt verhandeln. Schließlich hatten wir vom Batur wieder etwas gut zu machen. Um es kurz zu machen, direkt am Hafen zu vergleichen und verhandeln lohnt sich sehr. Gleiche Company, zwei Ticketverkäufer, zwei unterschiedliche Einstiegspreise und jeweils noch Verhandlungsspielraum, sodass wir letztendlich 210k Rp pro Person gezahlt hatten anstatt wie andere Touristen aus dem Ashram 500k Rp pro Person. Nach 180 km zu zweit auf dem Roller schmerzte es dann doch sehr, sodass wir den nächsten Tag wieder ruhiger im Ashram verbrachten.